In einem bekannten deutschen Schlager heißt es „Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde, schenk nochmal ein...“, ein schönes Bild, das Udo Jürgens in seinem Song gedanklich zeichnet. 
Gibt es in Griechenland eigentlich noch Orte, wo man diese Mentalität antrifft?
Leider ist Tourismus oft nur ein Geschäft. Die einen verreisen, um sich zu erholen und ermöglichen anderen damit, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Im Endeffekt ist es ein simpler Leistungsausgleich. Von solchen profanen Dingen hatte Udo Jürgens allerdings nichts geschrieben.
Im Urlaub erlebt man oft Taxifahrer, die plötzlich kein Wechselgeld haben, aufdringliche Verkäufer in Souvenirshops, die einem angeblich regionale Andenken „Made in China“ verkaufen wollen, Hotels, die mit all inklusive Angeboten locken, aber mit öden Buffets frustrieren, Tagesausflüge, die  in Verkaufsveranstaltungen münden. Man kann die Liste ewig fortsetzen. 
Hotelkontingente werden als seelenlose Datensätze mit Destinationen kombiniert und zu Pauschalangeboten verwoben. Die moderne Tourismus-Wirtschaft hat mit ihren Tentakeln weltweit unser Urlaubsvergnügen fest im Griff.
Sagte ich weltweit?
In Griechenland auf der Insel Kreta, genauer Südkreta, dem südlichsten Punkt Europas, konnte ein kleines Dorf den klebrigen Greifarmen der öden Tourismus-Industrie-Monokultur bis jetzt entkommen.
Darf ich vorstellen: Agia Galini
Vor vier Jahren bin ich auf Kreta zum ersten Mal gelandet, und zwar durch Zufall. Ich wollte Ende September noch Sonne und Strand. Mittlerweile ist Agia Galini für mich wie ein alter Hut, aber wie einer, der fantastisch passt. Viermal hatte ich ihn bereits auf und er wird nicht aussortiert!
Die Atmosphäre von Agia Galini ist etwas Besonderes. Der Ort ist natürlich geblieben. Einheimische leben und arbeiten hier, die Hotelangestellten verschwinden nicht über den Seitenausgang und wohnen bestenfalls 50 Kilometer weiter weg, weil sich keiner in der künstlichen Touristenumgebung die Mieten leisten kann. In Agia Galini gibt es so etwas nicht, man kann hier abends in der Kneipe auch den Verkäufer vom Juwelierladen beim Feierabendbier antreffen, dieser Ort ist 'gesund 'geblieben.
Warum nach Süd-Kreta reisen?
 In einer abendlichen Getränkerunde in Stralsund wurde ich einmal gefragt, warum ich so oft an den gleichen Ort fahre und was ich da so mache. Ich wusste spontan keine Antwort, die ich laut sagen wollte. Die Wahrheit ist nämlich, ich mache dort nichts. Ich chille, und das zwei Wochen lang!
Für die Zeit meines Aufenthalts nehme ich mir kaum etwas vor. Ich plane von Tag zu Tag. Ich leihe mir für die Zeit meines Urlaubs einen Motorroller oder ein Motorrad aus, nur so. Auf Auto habe ich keine Lust.
Agia Galini liegt am Wasser und hat einen Strand, der sehr steinig ist. Badeschuhe sollte man mitnehmen. Die vielen anliegenden Tavernen versorgen die Badegäste kulinarisch. In der näheren Umgebung gibt es viele schöne Sandstrände. Mit dem Ausprobieren der vielen Spots ist man für einen Urlaub lang gut beschäftigt.
Nach einem Strandtag, wenn man mit dem Motorrad nach Hause fährt, belohnt einen der Ausblick auf die schöne Landschaft.
Kreta ist auch kulinarisch ein Highlight. Es gibt viele Tavernen, einige besser, andere schlechter. Wer sicher gehen will, überprüft die Bewertungen im Tripadvisor App. Es empfiehlt sich, ein Hotel nur mit Frühstück zu wählen, denn im Dorf oder unterwegs sich durchzufuttern macht einfach zu viel Spaß.
Auf Kreta wird viel Lammfleisch gegessen, die Berge sind voll mit Schafen. Ein traditionelles Gericht auf der Insel heißt Lamm Kleftiko. Es handelt sich um im Ofen gegartes Lammfleisch, angerichtet in einer Pfanne, meist mit Feta, Gemüse und Kartoffeln. Jede Taverne bereitet ihre eigene Version von diesem Gericht. Für mich ist es ein Muss auf jeder Kretareise.
Agia Galini liegt am Rande eines Hochgebirges, nach 20 Minuten Fahrzeit geht es steil bergauf. Atemberaubend!
Wenn man Touren plant, darf man nicht so sehr der Karte oder dem Navi vertrauen, oft entpuppt sich die auf dem Plan als Straße eingezeichnete Strecke als Feldweg mit Geröll, Steine von 30 Kubikzentimetern sind da keine Seltenheit. Solche Wege werden meist von den Schäfern mit ihren rostigen Pick Ups befahren. Mit einem Leihwagen ist das nicht zu empfehlen.
Auf Kreta wird Raki getrunken. Der hat einen Alkoholgehalt von 42 Prozent. Man braucht nicht viel davon, um sich einbilden zu können, Schafe auf dem Psiloritis (höchster Berg Kretas) hüten zu wollen! Raki wird aus Weintrauben gewonnen, deren Saft aber nicht wie beim Wein vergoren, sondern wie beim Schnaps destilliert wird. Der kretische Raki ist geschmacklich mit dem türkischen Original nicht vergleichbar, aber viel besser. Während im Rest von Griechenland mit Uzo angestoßen wird, trinkt man hier lieber diesen besonderen 42 Prozentigen. Diese Tradition hat ihren Ursprung im 16. Jahrhundert. Da wurde Kreta von den Türken belagert. Getrunken wird Raki immer, wenn man irgendwo ins Gespräch kommt. Wenn der Wirt einen sympathisch findet, dann spendiert er einen. Getrunken wird nicht einfach so, Wasser, Obst und Gemüse gibt es immer dazu. Schnaps trinken wird auf Kreta zelebriert.
Die Hotels in Agina Galini sind in der Stadt, nicht wie in anderen Urlaubsorten, wo Hotelkomplexe wie Trabantenstädte vor einer Stadt thronen. Die Hotels in Agia Galini sind einfach und meist sehr günstig, fünfundzwanzig Euro pro Nacht inklusive Frühstück findet man oft. Da darf man nicht viel erwarten. Leider gibt es viele deutsche Touristen, die sich im Internet bei Bewertungsportalen über den Sanierungsrückstand beklagen. Aber bei den Preisen sollte man bei seinen Erwartungen auf dem Boden bleiben. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist normal.
Die beste Zeit, Kreta zu besuchen, ist das Frühjahr oder der Herbst. Im Mai und Ende September liegen die Temperaturen zwischen angenehmen 20 und 26 Grad.
Wenn man den September als Reisezeit wählt, dann spürt man bei vielen Griechen die Erschöpfung von der Saison. In vielen Restaurants sieht man immer die gleichen Menschen arbeiten, oft sieben Tage am Stück. Viele Griechen ziehen das die ganze Saison ohne Pause durch.
Mir wurde mit Augenzwinkern erklärt, dass sich am Ende der Tourismus-Saison die Griechen in Agia Galini für zwei Wochen schlafen legen. Danach allerdings fangen sie an, ihren Raki zu brennen, den sie in der nächsten Saison reichlich an die Touristen verteilen.
Wie nach Kreta reisen?
Von April bis Ende Oktober ist Kreta von den meisten Flughäfen in Deutschland im dreieinhalbstündigen Direktflug zu erreichen. Die Insel hat zwei Flughäfen, einen älteren in Chania, der von den meisten „Billig Airlines“ angesteuert wird, und einen neueren in Heraklion, der Hauptstadt. Das Fischerdorf Agia Galini liegt hinter einem Gebirge und ist erst nach 11/2 stündiger mühsamer Autofahrt vom Flughafen Heraklion oder Chania zu erreichen und ist damit viel zu weit für den Massentourismus entfernt.
Eine Eisenbahn gibt es auf Kreta nicht, aber es fahren moderne Busse in die größeren Städte. Allerdings geht es nicht ganz ohne Umsteigen und Zwischenstopps. Geduld ist schon gefragt. Daher meine ganz klare Empfehlung: Miete ein Auto oder noch besser ein Motorrad und fahre selbst!
Unweit vom Flughafen in Heraklion findet man eine Vielzahl von Autovermietungen.
Es empfiehlt sich, vor Reisebeginn alles von Deutschland aus zu reservieren! Wichtig beim Mieten von Autos ist, auf die Tankregelung zu achten (siehe Google) und immer schön mit Vollkasko mieten, denn die Straßen auf Kreta sind abenteuerlich, Steinschlag kann jederzeit vorkommen.
Wer auf Kreta selbst mit dem Auto fahren will, sollte kein Fahranfänger sein, gerade im Süden in
den Bergen nahe der Abhänge kann es beim Gegenverkehr sehr eng werden.

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