
Blick auf die Burg Gibelete im Hintergrund die Stadt Byblos
Ich hatte im Fotostudio vor einem Jahr eine Kundin, von der ich Bewerbungsfotos gemacht habe. Ich konnte nicht einschätzen woher sie stammte. Sie sprach Deutsch aber mit einem süßen Akzent. Ich vermutete Frankreich aber Irrtum. Sie kam aus Syrien. Die Dame fragte mich, ob ich Arabisch sprechen kann. Vermutlich kam sie darauf, weil sie Unterlagen von meinem Online-Sprachkurs auf meinem großen, permanent zugemüllten Schreibtisch liegen gesehen hatte. Den Sprachkurs hatte ich mir gekauft, weil ich einmal im Jahr nach Ägypten zum Tauchen fahre und weil ich in Zukunft gerne „guten Tag", "ich habe Hunger", usw. sagen können möchte! Sie erzählte mir, wenn man sich für die arabische Kultur interessieren würde, dann sollte man den Libanon bereisen. Der ist modern, dem Westen aufgeschlossen und arabisch! Mein erster Gedanke war: “ Lieber nicht, da werde ich als Tourist erschossen und ausserdem gibt es dort nur Menschen in Lehmhütten, Ziegen und Wüste. Obendrein ist der Libanon in den Deutschen Nachrichten über den Nahen Osten immer irgendwie negativ besetzt.”
Auf den meisten großen Reiseportalen ist der Libanon dabei, aber viele Infos bzw. Reiseberichte gibt es nicht. Im Sommer kann ich nicht verreisen, da ich mich in der Zeit voll auf die Arbeit konzentrieren muss. Daher bleibt mir nur Herbst und Winter. Aber kein Problem - bis Oktober ist das Wetter für Norddeutsche wie gemacht im Libanon. Die Hauptstadt vom Libanon heißt Beirut und liegt direkt am Wasser. Super, denke ich mir. Sollte mir das mit der arabischen Kultur (Ziegen) zu viel werden, dann lege ich mich einfach bräsig in die Sonne und mache einen einfachen Strandurlaub (was sich noch als Irrtum herausstellen soll).
Auf einem Reiseportal bin ich fündig geworden. Die Fluggesellschaft „Germania“ bietet zwei Direktflüge pro Woche von Hamburg und Berlin nach Beirut an. Ich hab mich für Hamburg entscheiden, weil es dort für mich günstigere Abflug-/Ankunftzeiten gab und ich so am besten mit dem Zug weiter nach Stralsund komme. Der Zug zum Flug ist im Reisepreis enthalten und wer die teuren Parkgebühren am Flughafen kennt, sollte eine Bahn als Anreise in Betracht ziehen.
Ein halbes Jahr im Voraus habe ich die Reise gebucht und am 14. September war es dann soweit!
Im Flugzeug angekommen sitze ich neben Abir. Sie kommt aus Syrien und lebt seit 5 Jahren in Deutschland. Sie ernährt sich Vegan. Dies stellte sich als sehr großen Vorteil für mich heraus, da sie mir ihr Flugzeugessen geschenkt hat. Wir haben zusammen Whisky getrunken und somit waren die viereinhalb Stunden Flugzeit schnell vorüber.


Nach ein paar Minuten Warten greife ich mir meinen Koffer vom Band und verlasse den Transitbereich....gleich gehts los. Draußen müsste jemand mit einem Zettel mit meinem Namen darauf stehen, der mich zum Hotel bringt.
Ich gehe auf den Balkon. Mein erster Blick auf die Stadt. Mittlerweile ist es 21 Uhr und schon dunkel. Ich glaube Beirut ist schmutzig und laut, dazu modern und verfallen - aber schauen wir morgen nochmal.


Ich habe ein bisschen Hunger und auf Google Maps habe ich schon mal geschaut, wo man in der Nähe etwas zu Essen bekommt. Nach einigen Metern gelange ich zur „Barbar“. Eine Schnellimbisskette im Libanon. Der Kellner empfiehlt mir etwas und das Gericht kommt in Klarsichtfolie eingewickelt an meinen Tisch. Was ist das? Der Kellner bemerkt meinen irritierten Gesichtsausdruck und hilft: „Du musst das auseinander reißen, belegen, zusammenrollen und dann essen.“ Mittlerweile schauen mir mehrere Angestellte beim Essen zu: „Schmeckt es Ihnen?“ Ich nicke. Ich glaube sieben Euro habe ich für die kleine Köstlichkeit und eine Cola bezahlt.

Arabisches Brot, Hummus und Gemüse

Im Hintergrund läuft Musik von Modern Talking











Sauerei! rechts Gelangte man zu Schließfächern wo man Handys und Kameras hinerlegen musste!
Die nächste Station des Ausfluges war die Stadt Harissa. Der Reiseleitung ständig zuzuhören ist für mich aber langsam anstrengend. Also lass ich alles auf mich wirken und setze mich ab. Keine Ahnung was wir da als erstes sehen. Es ist zu früh für mich. Ein modernes, futuristisches Gebäude. Ein riesige Halle. Überall Sitzbänke und vorne eine Bühne. Ein Mann in einer Robe betritt den Raum. Musik spielt. Der Mann fängt an zu singen. Ich denke mir: den Sound kennst Du aus christlichen Kirchen, klar. Irgendwie magisch das Ganze. Christliche Kirchenlieder auf arabisch. Der Libanon ist ein kleines Land, hat aber über 18 aktive Religionen - und alle leben miteinander.




Mir wird abgeraten in Beirut an den Strand zu gehen. In Küstennähe werden Abwässer ins Meer eingeleitet. Die Wasserqualität lässt daher zu wünschen übrig. "Gehe bloß nicht in diesem hochinfektiösen Sud schwimmen”, lese ich im Facebook-Forum. Mir werden Strände auf der Karte gezeigt. Der dichteste ist 40 km entfernt - also da ist der Haken. Der Libanon gefällt mir bis jetzt sehr gut, aber das fand ich nicht so schön.
Im Internet wird vor der Nutzung von Sammeltaxen gewarnt. Es soll vorgekommen sein, dass Touristen ausgeraubt wurden. Ich versichere mich nochmal im Hotel. Die Angestellten meinen jedoch, es wäre sicher. Im libanesischen Forum auf Facebook hieß es nur:”Nehme einen „Service“ nach „Cola“ und dann kannst du nach Tyros eventuell noch mal umsteigen.” Hochmotiviert, dass ich diese Challenge meistere, verlasse ich das Hotel mit gepackter Badetasche. Genau jetzt fängt mich vor dem Hotel ein Taxifahrer ab: ”Wie geht’s? Wohin? Bock auf ne Tagestour, die Jetta Grotte ist toll.” Ich verklickere ihm, das ich nur zum Strand in Tyros möchte und einen Service nehmen will. Der Taxifahrer protestiert: ”Das willst Du nicht, das dauert ewig und da steigen Syrer und Palästinenser ein, willst Du da mitfahren?" Ich bin zutiefst verunsichert und er macht mir einen guten Preis. 50.000 Lira für hin und zurück, ich habe drei Stunden Zeit am Strand. Gut, denke ich mir, dann verschiebe ich mein Intermezzo mit dem öffentlichen libanesischen Nahverkehr auf morgen.

Könnte auch Zingst sein.

Ich hatte kein Zeit den Burger links zu fotografieren, ich hatte Hunger!
Heute hatte ich keine Lust auf Stadt, ich wollte Strand.





Ich sitze im Service-Taxi auf der hintersten Bank. Neben mir eine syrische Familie mit zwei kleinen Kindern. Auch von ihnen werde ich wieder neugierig beäugt. Die Mutter trägt Kopftuch und ist sehr hübsch. Wenn man Muslimische Frauen anlächelt, dann lächeln sie zurück. Jetzt wird der Vordersitz ausgeklappt, d.h. für mich: Beine einziehen. Diese Fahrt wird hart.

Ein Bild von der Hinfahrt.



Essen, Früchte oder Shisha auch direkt am Wasser. Ein Toller Service hier!


Traditionell arabisch zubereiteter Kaffee.

Libanesisches Essen besteht aus viel kleinen Vorspeisen.
Arabischer Kaffee schmeckt mild,ist aber alles andere als das. Ich konnte die Nacht nicht schlafen. Ich wollte früh aufstehen und dann mit dem Service nach Tyros und mich mit Ali zum Frühstück treffen. Eine halbe Stunde später als geplant treffe ich in Tyros am „Busbahnhof“ ein.

Nur keine Tourifotos vermeiden.
Wir wollen erstmal frühstücken und gehen in einen Imbiss auf einem Basar. Ganz traditionell ohne Süßes oder Fleisch, ich muss mich umgewöhnen.



Das könnte auch Kreta sein.



Nach dem Alkohol erst mal entspannen.
Für den Abend beschließe ich, das gestrige zu wiederholen und nachdem ich mir in der Chocolat-Bar diesen irren Schokoladenburger gegönnt habe, geht es zur Skybar. Aber diesmal habe ich kein Glück: ”Nur mit Freundin”, entgegnet der Türsteher leicht arrogant grinsend. Auch in alle anderen Lokalitäten in der Umgebung komme ich nicht rein, nur Gästeliste.


Wie der Laden heißt weiß ich nicht mehr. Ich war angetrunken und kaum war ich drin, bekam ich schon das erste Bier geschenkt. Libanesen können feiern, das weiß ich jetzt. Aus dem Lautsprecher tönten die Aktuellen Charts, arabische Popmusik und alle singen mit . Ein Barkeeper hatte auch noch Geburtstag - was ein klasse Abend.


Die Hafenpromenade in Beirut.